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Open Source: Jeder darf mal

24.06.2014 | von Christoph Gurk, Zeit

Blaupausen und Patente für alle – das Prinzip hat die Software-Branche verwandelt. Jetzt bringen Aktivisten die Idee in die Industrie.

Auf Sam Muirheads Wäscheständer hängen maßgeschneiderte Unterhosen. Vor vier Jahren ist der neuseeländische Filmemacher mit seiner Freundin nach Berlin in die Nähe des Kottbusser Tors gezogen. Die Stadt ist hier eher arm als sexy, kein Ort für maßgeschneiderte Kleidungsstücke. Doch Muirhead meint, diese könnten helfen, die Welt zu verändern. Denn sie entstanden ganz in Eigenregie, ohne Hilfe eines großen Wäscheproduzenten. Und warum sollte, was mit Unterhosen geklappt hat, nicht auch mit Autos, Häusern oder Telefonen, einfach mit allem funktionieren?

Vorangegangen war ein Experiment des 29-Jährigen. Ein Jahr lang kaufte Muirhead nichts, auf das es ein Patent oder Urheberrecht gab – weder Seife noch Software. Muirhead wollte herausfinden, ob es möglich sei, ein Leben abseits von Copyrights und Lizenzen, also unabhängig vom geistigen Eigentum großer Konzerne, zu führen. Er nannte das Experiment "Year of Open Source". Und es gelang.

Die meisten Menschen kennen den Begriff Open Source nur im Zusammenhang mit Computern. Dort steht er für kostenlose Software wie den Firefox-Browser oder das Büroprogramm Open Office. Doch Open Source steht nicht nur für digitale Kostenloskultur. Es ist auch ein Denkansatz.

Um ihn zu verstehen, muss man in die siebziger Jahre zurückkehren. Damals wurden Computer zusammen mit Software verkauft, inklusive des dazugehörigen Quellcodes. Nutzer konnten Verbesserungen vornehmen und diese dann wieder mit anderen teilen. Es bildete sich eine Szene, die gemeinsam an besseren Produkten arbeitete. Doch dann entdeckten Hersteller Software als lukrativen Markt. Programme wurden separat verkauft und Codes zum Geschäftsgeheimnis.

Ein paar Programmierer und Aktivisten wehrten sich dagegen. Mitte der achtziger Jahre gründete sich die Free Software Foundation, Ende der Neunziger die Open Source Initiative. Auch wenn beide Gruppen bis heute zerstritten sind, geht es ihnen im Grunde doch um das Gleiche: Software mit offenen Quellcodes, die jeder weitergeben und weiterentwickeln darf. Eine digitale Welt, die auf Gemeinschaft statt auf Grenzen basiert.

Lange galten freie Betriebsprogramme und offene Software als kompliziert und unverständlich. Der Durchbruch kam kurz nach der Jahrtausendwende mit Firefox. Der offene Browser war nicht nur gratis – er war auch mindestens so gut wie die Konkurrenz. Heute ist Firefox der meistgenutzte Browser weltweit, ganze Städte stellen auf freie Betriebssysteme um. Open-Source-Programme für Fotobearbeitung genauso wie für Tonmischung, E-Mails und eben maßgeschneiderte Unterhosen.

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