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Den anderen Blick wagen - Der Nutzen von Open Source Software für kleine Unternehmen

Den ande­ren Blick wagen — Der Nut­zen von Open Source Soft­ware für kleine Unternehmen

von Dr. Mat­thias Stür­mer | 01.11.2011

Open Source Soft­ware ist für KMU immer noch ein zwie­späl­ti­ges Thema. Auf der einen Seite sind die Anschaf­fungs­kos­ten und die Fle­xi­bi­li­tät gegen­über pro­prie­tä­ren Lösun­gen auf der posi­ti­ven Seite zu ver­bu­chen. Auf der ande­ren Seite bezie­hen sich Nach­teile auf feh­lende Open Source IT-​Kenntnisse im eige­nen Haus oder auch von Exter­nen und auf die Frage von lang­fris­ti­gem Ser­vice sowie lang­fris­ti­ger Haf­tung. Unser Autor hat einen ein­deu­ti­gen Hin­ter­grund, beleuch­tet aber beide Seiten.

Auf den ers­ten Blick ist der Ein­satz von Open Source Soft­ware in KMU ein zwei­schnei­di­ges Schwert: Einer­seits kön­nen Kos­ten­ein­spa­run­gen erreicht wer­den, da Lizenz­ge­büh­ren ent­fal­len und aus­ge­reifte Open Source-​Lösungen heut­zu­tage ein­fach zu betrei­ben sind. Ande­rer­seits ver­fü­gen kleine Unter­neh­mun­gen typi­scher­weise nicht über eine grosse Infor­ma­tik­ab­tei­lung, die sich um all­fäl­lige Daten­mi­gra­tio­nen, Soft­ware­an­pas­sun­gen und Umschu­lungs­kurse der Nut­zer küm­mern kann. Mit die­sen not­wen­di­gen Auf­wen­dun­gen zur Ein­füh­rung von Open Source Soft­ware ent­fal­len die ein­ge­spar­ten Lizenz­kos­ten oft­mals rasch wie­der. Dies ist wohl der Haupt­grund, wes­halb auch heute noch viele KMU nicht mit Open Source Soft­ware arbei­ten. Betrach­tet man die Situa­tion jedoch etwas genauer, zeigt sich ein dif­fe­ren­zier­tes Bild.

Poten­tiale und Hür­den auf­zei­gen

Der Nut­zen von Open Source Soft­ware für KMU ist nicht mit dem Instal­lie­ren des Inter­net­brow­sers Fire­fox oder der kos­ten­lo­sen Micro­soft Office Alter­na­tive Libre­Of­fice (vor­mals Open​Of​fice​.org) am Ende ange­langt. Die Anwen­dung von aus­ge­reif­ten end­be­nut­zer­ori­en­tier­ten Open Source-​Applikationen stellt nur einen Bruch­teil des Poten­ti­als von Open Source Soft­ware für KMU dar. Mit dem Ein­füh­ren von Stan­dard Open Source Soft­ware wie den genann­ten Anwen­dun­gen oder auch der Photoshop-​Alternative GIMP oder dem In Design-​Ersatz Scri­bus kön­nen zwar kurz­fris­tig einige tau­send Fran­ken Lizenz­kos­ten gespart wer­den. Aller­dings ist dies ein rela­tiv gerin­ger Pos­ten in den Gesamt­kos­ten der Infor­ma­tik eines Unter­neh­mens. Zudem kön­nen auch der Ein­ar­bei­tungs­auf­wand und damit der Mit­ar­bei­ten­den­wi­der­stand beträcht­lich sein.

Wirk­lich ins Gewicht fal­len die Vor­teile von Open Source Soft­ware, wenn Unter­neh­mens­ver­ant­wort­li­che stra­te­gi­sche Stel­len der Infor­ma­tik auf die­ses immer noch zu wenig bekannte Soft­ware­mo­dell setzen.1) Es kommt immer auf das Hin­ter­grunds­wis­sen der Fach­ver­ant­wort­li­chen an: Wer sein gan­zes Arbeits­le­ben mit geschlos­se­nen Sys­te­men gear­bei­tet hat, hat nicht nur eine Wis­sens– son­dern auch eine kul­tu­relle Hürde zu über­sprin­gen. Das heisst, dass geprüft wer­den sollte, wel­che Schlüs­sel­an­wen­dun­gen auf Open Source-​Lösungen migriert wer­den kön­nen. Einer­seits sind dies die typi­schen Enter­prise Resource Plan­ning (ERP)- und Cust­o­mer Rela­ti­onship Manage­ment (CRM)- Platt­for­men. Bereits heute exis­tiert eine Viel­zahl von Open Source ERP– und CRM-​Lösungen. Die Fraunhofer-​Studie «Open Source ERP – Rea­son­able tools for manu­fac­tu­ring SMEs» gibt ver­tieft Ein­blick in eine Aus­wahl von Open Source-​Plattformen. Gleich­zei­tig darf nicht ver­ges­sen wer­den, dass für die Inte­gra­tion von kom­ple­xer Open Source Soft­ware stets ein exter­ner Dienst­leis­ter beige­zo­gen wer­den sollte. Der Unter­schied zur Ein­füh­rung von pro­prie­tä­ren ERP– oder CRM-​Lösungen liegt darin, dass diese oft­mals nur vom Soft­ware­her­stel­ler oder einer Aus­wahl sei­ner Part­ner­fir­men inte­griert und gewar­tet wer­den kön­nen. Dage­gen kann bei Open Source Soft­ware der Anbie­ter ohne wei­tere Ver­trags­än­de­run­gen und andere orga­ni­sa­to­ri­sche Hür­den aus­ge­wech­selt wer­den, falls er nicht mehr zufrie­den­stel­lend arbei­tet.


Kos­ten spa­ren

Han­delt es sich um bran­chen­spe­zi­fi­sche Fach­an­wen­dun­gen, erlaubt das Open Source-​Entwicklungsmodell die Erstel­lung von gemein­sa­mer Soft­ware. Oft­mals ver­wen­den sich kon­kur­ren­zie­rende KMU ähn­li­che Fach­ap­pli­ka­tio­nen, wel­che ganz spe­zi­fi­sche Abläufe und Daten spei­chern. Ist die Soft­ware nicht wett­be­werbs­dif­fe­ren­zie­rend, macht es Sinn, dass durch die gemein­same Ent­wick­lung und War­tung Kos­ten gespart wer­den kön­nen. Eine wich­tige Rolle spielt dabei der regio­nale oder natio­nale Bran­chen­ver­band. Die­ser hat die Schlüs­sel­funk­tion des Inter­me­di­ärs, der die Soft­ware­ent­wick­lung plant, vor­be­rei­tet und steu­ert. Tra­gen alle Nut­zer einen gewis­sen Bei­trag bei, kön­nen auf diese Weise Indi­vi­dual­ent­wick­lun­gen nach­hal­tig finan­ziert wer­den, was für ein KMU alleine undenk­bar gewe­sen wäre. Unter­stützt durch eine externe Pro­jekt­lei­tung koor­di­niert der Ver­band die Pla­nungs– und Umset­zungs­tä­tig­kei­ten. Ist die Soft­ware letzt­lich unter einer Open Source– Lizenz ver­öf­fent­licht, kön­nen alle Inter­es­sen­ten davon pro­fi­tie­ren und lang­wie­rige Lizenz­ver­hand­lun­gen ent­fal­len.

Sprung in die Pra­xis

Las­sen Sie mich an die­ser Stelle noch in die prak­ti­sche Welt von Work­shops sprin­gen. Im Berech der öffent­li­chen Ver­wal­tun­gen habe ich in den letz­ten Jah­ren einen Lern­pro­zess erlebt. Sie haben grund­sätz­lich mit ähn­li­chen Pro­ble­men wie KMU zu kämp­fen. Bei­spiels­weise haben die Städte Mün­chen, Frei­burg im Breis­gau und Jena (alle Deutsch­land) sowie Ver­tre­ter der Schwei­zer Bun­des­ver­wal­tung und des Bun­des­ge­richts im Okto­ber 2011 einen Work­shop durch­ge­führt, mit dem Ziel die gemein­sa­men Inter­es­sen für eine all­fäl­lige Wei­ter­ent­wick­lung von LibreOffice/OpenOffice.org zu errei­chen. Der Work­shop war ein gros­ser Erfolg, die prio­ri­sier­ten Ver­bes­se­run­gen über­zeug­ten die Beteiligten.

Der nächste Stol­per­stein ist die öffent­li­che Aus­schrei­bung. Zen­tra­ler Punkt dabei ist die Pro­jekt­or­ga­ni­sa­tion: Da der Bran­chen­ver­band fehlt, springt eine Non-​Profit Open Source Asso­cia­tion in die Lücke und über­nimmt die Bün­de­lung der Kräfte. Zusam­men mit Kern­ent­wick­lern kann damit die Open Source Soft­ware ver­bes­sert und nach­hal­ti­ger ent­wi­ckelt wer­den. Auch die lang­fris­ti­gen Ser­vice– und Rechts­fra­gen sind so eher in den Griff zu bekom­men.


Anmer­kung

1) Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen zu Open Source Soft­ware fin­den sich in der Ernst & Young Bro­schüre «Open Source Soft­ware im geschäfts­kri­ti­schen Einsatz».

Wei­ter­füh­rende Links:
http://​www​.kmu​life​.ch/


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Erstellt: 17.12.2013

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