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OSS Nutzer:
Kanton Solothurn

QGIS beim Amt für Geoinformation im Kanton Solothurn

Branche: Verwaltung: Kantonsverwaltung

Das Amt für Geoinformation im Kanton Solothurn setzt die Open Source Software (OSS) QGIS als geografisches Informationssystem (GIS) zur Erfassung, Bearbeitung und Analyse von räumlichen Daten ein. Die nachfolgende Beschreibung befasst sich mit dem Einsatz dieser Software im Detail.

 

Ausgangslage:

Das Amt für Geoinformation ist ein Amt mit zwölf Mitarbeitern. Es ist für zwei Fachbereiche verantwortlich: die amtliche Vermessung und die Geoinformation. Ersteres beinhaltet die Vermessungsaufsicht über fünf patentierte und im Register eingetragene Ingenieur-Geometer (Nachführungsgeometer) des Kantons Solothurn. Die Nachführungsgeometer üben die amtliche Vermessung aus, wenn jemand ein Grundstück abparzellieren oder eine Grenze ändern möchte. Deren Arbeit wird vom Amt für Geoinformation beaufsichtigt. Im zweiten grossen Fachbereich, der Geoinformation, fungiert das Amt als Dienstleister für den Kanton Solothurn. Softwares werden für die Ämter bereitgestellt, damit diese anhand einer Desktopsoftware wie QGIS oder einer WebGIS-Lösung Fragestellungen mit Raumbezug beantworten können. Ungefähr 50 bis 100 Personen arbeiten mit der Desktoplösung in den Dienststellen, mit der WebGIS-Lösung ein Vielfaches mehr. Weiter führt das Amt für Geoinformation auch Projekte für die Ämter durch oder begleitet sie in diesen. Solche Projekte bestehen beispielsweise aus grösseren GIS Analysen mit FME. Das Amt für Geoinformation stellt weiter eine technische Infrastruktur zur Verfügung und führt eine zentrale Datenhaltung. Das Amt für Informatik stellt dem Amt zwölf Server bereit. Die Server werden vom Amt für Geoinformation unterhalten und als Basis für den Aufbau der eigenen Infrastruktur genutzt. Künftig wird es zum Ziel, dank einer Virtualisierung auf Applikationsstufe die Serverzahl auf drei, vier Stücke zu reduzieren. Anhand einer Docker-Infrastruktur, wo Applikationen deployed werden können, soll eine effizientere Arbeit ermöglicht werden.

 

Bis 2005 wurde hauptsächlich ArcView 3.2 und auch ArcInfo 5 (beides heute Komponenten von ArcGIS) verwendet. Die alten Lösungen waren damals nicht angemessen weiterentwickelt worden. Die Produkte waren veraltet und wichtige Funktionen fehlten. Sie konnten nicht an eine PostgreSQL-Datenbank angebunden und darüber keine Internetdienste bezogen werden. Zudem wurden Nachfolgeprodukte lediglich für Windows konzipiert. 2005 begann der Kanton Solothurn über Alternativen zu recherchieren. Aufgrund der Tatsache, dass der Kanton damals zu hundert Prozent Linux als Betriebssystem einsetzen wollte und begonnen hatte ein OSS-Gedanke zu hegen, suchte der Kanton eine OSS als Nachfolgeprodukt. Die Anzahl Desktop-GIS welche damals OSS waren, sind an einer Hand abzählbar. Letztendlich standen drei oder vier Softwares in einem engeren Auswahlverfahren. Darunter befanden sich u.a. QGIS, OpenJUMP und uDig.

 

Eine wichtige Anforderung an die neue Software war, dass eine Anbindung an die zentrale Datenbank des Amtes für Geoinformationen möglich ist. Ausserdem musste das neue Tool mit verbreiteten Standards wie Web Map Service (WMS), Web Feature Service (WFS) und Web Map Tile Service (WMTS) kompatibel sein. Der Datenaustausch und die Interoperabilität mit Aussenstehenden musste gewährleistet sein. QGIS kristallisierte sich schnell als bester Kandidat heraus, um diesen Anforderungen nachzukommen.

 

Bezüglich den Dienstleistungen von QGIS wurden die Anpassung/Modifizierbarkeit und Gewährleistungsübernahme (Bugs, Mängel) als „sehr wichtige“ Dienstleistungsbereiche kategorisiert. Sicherheitsupdates, Dokumentation der verwendeten Software, Wartungs- und Supportgarantie, Kompatibilitätsabsicherung bei der Integration und Schulungen werden als „wichtige“ Dienste eingestuft.

 

Zielsetzung:

Für die Einführung von QGIS war kein Budget und keine konkrete Zeitdauer vorgesehen.

 

Umsetzung:

Im Jahr 2005 wurde QGIS erstmals installiert und über mehrere Jahre hinweg laufend eingeführt. Solothurn war der erste Kanton, welcher QGIS einführte. Die alten Lösungen blieben noch bis in das Jahr 2015 installiert und hätten theoretisch bis dahin noch genutzt werden können. 2009 wurden die Mitarbeiter aufgefordert ausschliesslich QGIS zu verwenden. Ab diesem Zeitpunkt wurden die alten Lösungen nur noch in Ausnahmefällen eingesetzt. In der Kantonsverwaltung gibt es tausende Mitarbeiter, welche auf Thin Clients arbeiten d.h. auf Arbeitsplätzen mit lediglich einem Bildschirm, ohne PC vor Ort. Über die Server haben alle Mitarbeiter des Kantons einen indirekten Zugriff auf QGIS. QGIS verfügt über eine sehr aktive Community.

 

Die Mitarbeiter wurden bei der Einführung durch den internen Support während ein bis zwei Tagen geschult. Das notwendige Know-how dafür war beim Kanton bereits vorhanden, da das Amt stets technikaffin bezüglich IT war und sehr früh bei QGIS dabei gewesen war. Heutzutage werden die Schulungen jedoch meist eingekauft, da der dafür notwendige Zeitaufwand für das Amt zu hoch ausfällt. Externe Schulungen werden hauptsächlich bei grösseren Neuversionen von QGIS oder bei neuen Mitarbeitern in Anspruch genommen.

 

Für den internen Support ist ein Mitarbeiter zuständig, welcher sich jedoch nicht ausschliesslich QGIS widmet. Dieser hilft anderen Mitarbeitern telefonisch, wenn sie vereinzelt nicht wissen, wie bestimmte Funktionen in QGIS ausgeführt werden. Der externe Support wird von Sourcepole durchgeführt. Sie machen den Third-Level-Support und beheben schwerwiegendere Probleme wie beispielsweise Bugfixing am Quellcode.

 

Zwischen 2007 und 2012 war das jährliche GIS-Budget für den Betrieb und Unterhalt von 50'000 CHF auf 100'000 CHF erhöht worden. Die Budgeterhöhung hatte jedoch weniger mit der Migration auf QGIS an sich zu tun, sondern mit der stets wachsenden Bedeutung der Geoinformationen im Kanton. Um diesem Bedürfnis nachzukommen, wurde das Personal über die Jahre von einem Mitarbeiter auf sieben Angestellte im Amt erhöht, welche sich mit Geoinformationen auseinandersetzen.

 

Wenn möglich setzt der Kanton OSS Produkte ein. Bezüglich der Datenbank finden PostgreSQL und PostGIS Verwendung. In WebGIS wird eine OSS genutzt, welche explizit für die Bedürfnisse des Kantons entwickelt wurde. Als Reporting Engine wird JasperReports genutzt.

 

Zielerreichung:

Da bezüglich der Softwareeinführung keine konkreten Ziele, kein Budget und kein Zeitfenster formuliert wurden, kann schlecht über eine Zielerreichung der Implementationsphase geurteilt werden. Diesbezüglich lässt sich aber festhalten, dass aufgrund des Fehlens eines konkreten Einführungsprojektes, die Migration auf QGIS relativ schwierig ausfiel. Aufgrund der Tatsache, dass der Kanton bezüglich der Software ein First Mover war, hatten noch sehr viele Funktionen gefehlt und es mussten viele Bugs behoben werden. Dies kostete das Tool anfänglich an Akzeptanz unter den Mitarbeitern. Darüber hinaus verschärfte die schleichende, mehrjährige Einführung dieses Problem. QGIS hätte, im Nachhinein gesehen, zu einem späteren Zeitpunkt und während einer kürzeren Dauer eingeführt werden sollen. Dadurch wäre die Software zum Zeitpunkt der Implementierung weiterentwickelt gewesen, als im Jahr 2005.

 

Mittlerweile geniesst QGIS eine breite Akzeptanz unter den Mitarbeitern und der Kanton ist mit QGIS zufrieden. Anhand eines Ratings seitens des Amtes für Geoinformationen soll dies nun genauer präzisiert werden. Die Aufgabenerfüllung schneidet mit 9/10 (neun von insgesamt zehn Punkten) sehr gut ab. Die technischen Aspekte werden, aufgrund der vielen Bugs, mit lediglich 6/10 bewertet. Bis zum heutigen Zeitpunkt gingen Softwareupdates bisher meist mit Problemen bezüglich Bugs einher. Aus diesem Grund scheut der Kanton Neureleases von QGIS bis heute etwas. Die Benutzerfreundlichkeit und die Beliebtheit unter den Mitarbeitern wird mit 8/10 bewertet.

 

Der Kanton Solothurn wurde gebeten zu beurteilen, ob die in der Literatur erwähnten Vor- und Nachteilen bezüglich OSS für QGIS zutreffen. Die Vor- und Nachteile wurden anhand von Items formuliert und bezüglich ihres Zutreffens bewertet. Fast alle in der Literatur genannten Vorteile konnten vom Amt für Geoinformationen bestätigt werden. Modifizierbarkeit: Erweiterungen und AnpassungsmöglichkeitenKnow-how-Übertragung durch Wiederverwendbarkeit des Quellcodes, Wartungs- und Supportgarantie, Nutzen von Synergieeffekten aus Standardsoftware für Eigenentwicklungen, Höhere Sicherheit: raschere Updates, offene Standards führen zu einer nachhaltigen Datenspeicherung, höhere Produktqualität: Fehlereliminierung im Quellcodehöheres Sparpotential und QGIS als Innovationstreiber werden als vorteilhaft bewertet. Lediglich über das Item QGIS eröffnet neue Märkte wurde kein Rating abgegeben.

 

Die in der Literatur genannten OSS-Nachteile treffen gemäss dem Amt für Geoinformation für QGIS grösstenteils nicht zu. Lediglich das Item Migration auf OSS als Herausforderung wurde als zutreffend bestätigt. Als unzutreffend werden die Items keine Gewährleistungsrechte, hoher Schulungsaufwand bei Neueinführung der Software, Weiterentwicklung ist ungewiss, mangelnde Interoperabilität, Verletzung der Lizenzbestimmungen und unkontrollierter Einsatz aufgrund fehlender IT Governance gewertet. Das Item Wartung und Support ist nicht immer klar geregelt wird als eher unzutreffend kategorisiert. Das Item geringere Auswahl an Applikation wurde nicht beurteilt.

 

Als Zukunftswunsch an QGIS lässt sich festhalten, dass mehr in das Qualitätsmanagement auf einer globalen Ebene investiert werden sollte. Der Fokus sollte nicht nur auf neuen Funktionen liegen. Sollten Funktionen fehlen, können sie eingekauft werden.

 

Fazit:

Der Kanton Solothurn war ein Pionier in der Einführung von QGIS. Dies brachte jedoch auch Schattenseiten mit sich. Der Software fehlte es anfänglich an wichtigen Features und unzählige Bugs mussten behoben werden. In der Folge, trug der Kanton massgeblich in der Weiterentwicklung von QGIS bei, indem sie veranlassten, dass fehlende Funktionen integriert und Bugs behoben wurden. Heute ist der Kanton mit QGIS zufrieden und sieht sehr rosige Zukunftsaussichten mit der Software. Die Community wächst ständig und in der Schweiz gibt es immer mehr Anwender. Nach dem Vorbild des Kantons Solothurn sind auch andere öffentliche Institutionen wie die Städte Uster und Thun und die Kantone Glarus und Thurgau auf QGIS umgestiegen.

 


Letzte Aktualisierung: 11.10.2017  -  Anzahl Ansichten seit dem 01. April 2013: 43
Erstellt: 05.10.2017

Eingesetzte OSS Produkte:

JasperReports
OpenJUMP
PostGIS
PostgreSQL
QGIS Enterprise
Ubuntu Linux
uDig

Weitere Referenzen von Kanton Solothurn

QGIS Enterprise und QGIS (Quantum GIS) für den Kanton Solothurn
TYPO3 für den Kanton Solothurn



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