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OSS Nutzer:
Pneumologie Lindenhof

Website:
www.lindenhofgruppe.ch/

Beschreibung:

Die Lindenhofgruppe besteht aus den drei Berner Privatspitälern Engeried, Sonnenhof und dem Lindenhof. Die Pneumologie ist eine der 36 Fachbereiche dieser Gruppe und wird im Linden- und Sonnenhofspital angeboten.

Elexis bei der Pneumologie Lindenhofspital

Branche: Gesundheitssektor, Pharma, Chemie

Der Pneumologe, Herr Dr. med. Jürg Hamacher, setzt die Open Source Software (OSS) Elexis seit 2010 in seiner Praxis, welche der Lindenhofgruppe angehört, ein. Die nachfolgende Beschreibung befasst sich mit dem Einsatz von Elexis im Detail.

Ausgangslage:

Der Pneumologe, Herr Dr. med. Jürg Hamacher, setzt Elexis seit 2010 in seiner Praxis ein. 2010 sollte ein neues Praxisverwaltungssystem in der Lindenhofgruppe eingeführt werden. Die Suche danach erfolgte via Internet. Bei verschiedenen Offerten von Anbietern schien nur der monetäre Nutzen im Vordergrund zu liegen. Schliesslich fiel die Entscheidung auf Elexis. Ausschlaggebend für diese Auswahl war, dass Elexis eine Open Source Software (OSS) ist und folglich eine kompromisslose Unabhängigkeit darstellt.

Der Dienstleistungsbedarf von OSS wurde unterschiedlich bewertet. Die Sicherheitsupdates oder Patches sind für Herr Dr. med. Hamacher weniger wichtig, weil er sich dagegen auf höherer Ebene schützt. Dementsprechend ist eine Gewährleistungsübernahme eher unwichtig. Gleichzeitig ist die Dokumentation, die Wartung und Support von Elexis auch nicht von Bedeutung, weil individualisierte Lösungen für die Praxis wesentlicher sind, als Anpassungen die der Allgemeinheit dienen.

Umsetzung:

Herr Dr. med. Jörg-Michel Sigle, selber IT-Spezialist und auch Arzt, wurde von Herrn Dr. med. Hamacher extern engagiert, um Elexis in der Lindenhofgruppe einzuführen. Die Implementation von Elexis ist prinzipiell gut gelaufen. Die Einarbeitungsdauer und der Schulungsaufwand der Mitarbeiter in der Praxis dauerte nicht lange. Die Nutzung von Elexis war hingegen zum Stand des Jahres 2016, noch mehrheitlich mit Problemen verbunden. Ein Problem stellte die Tatsache dar, dass in der Pneumologie viele verschiedene Anwendungen und Geräte genutzt werden, die selbst einen hohen Aufwand erfordern. Eine Abstimmung der verschiedenen Anwendungen und Geräte war für Dr. Sigle nicht einfach und stellte sich als Herausvorderung dar.

Elexis ist auf zwölf Rechnern sowohl intern als auch extern aufgesetzt. Für Backups und interne E-Mails wird zusätzlich ein kleiner Linux-Server verwendet. Für die Textverarbeitung wird derzeit die Open Office Version 3.3 eingesetzt, da diese noch die Stabilste ist. Open Office wird aber in Zukunft vollständig durch Word ersetzt werden.

Herr Dr. med. Sigle ist weiterhin für den Support zuständig. Gleichzeitig beschäftigt er sich mit der Weiterentwicklung von Elexis. Er wird für die diesbezügliche Arbeit honoriert, steuert Entwicklungs- und Arbeitsmittel bei und erwirbt Elexis Aktien, um an der Hauptversammlung mitwirken zu können.

Zielerreichung:

Die literaturtypischen Vorteile von OSS bezüglich Elexis wurden grösstenteils nicht bestätigt. Vor allem konnten keine Kosteneinsparungen gemacht werden. Bei jedem Problem muss auf den IT-Betreuer zurückgegriffen werden, was mit Kosten und Abhängigkeit verbunden ist. Folglich ist die Unabhängigkeit der Nutzung von Elexis wenig zutreffend. Die höhere Sicherheit durch den offenen Quelltext ist nicht vorhanden, weil dieser nicht gut redigiert wird. Offene Standards stellen für die Praxis keinen Mehrwert dar. Noch immer können wichtige Utensilien, wie Lungenfunktionsgeräte, nicht optimal angeschlossen werden. Demnach können diese Daten nicht ohne weiteres in die Patientenakten abgelegt werden, was die Evaluation von Genesungsphasen erschwert. Ein sehr wichtiger Vorteil der überhaupt nicht bestätigt werden konnte, ist der Austausch in der Community. Unter den Ärzten werden Erfahrungen viel zu wenig ausgetauscht. Hierbei liegt das Problem, dass niemand etwas Integratives macht. Die Anpassbarkeit an die persönlichen Bedürfnisse ist gegeben, jedoch ist jede Erneuerung mit Kosten an den IT-Betreuer verbunden. Von einer höheren Stabilität kann nicht gesprochen werden. In mindestens zehn Prozent der Fälle stürzen die Drucker bei Druckaufträgen ab. Dies führt zu Verzögerungen im Arbeitsprozess und Unmut im Umgang mit Elexis. Die innovationsfördernde Eigenschaft von Open Source Software würde grundsätzlich zutreffen. Bei Herr Dr. med Hamacher und auch bei vielen anderen Ärzten mangelt es jedoch an Kapazität. Dr. med Herr Hamacher selber arbeitet durchschnittlich 70 Stunden pro Woche, weshalb keine Zeit in die Weiterentwicklung von Elexis investiert werden kann. Vielmehr wäre er gewillt, jährlich einen Geldbetrag in einen Pool zu geben um im Gegenzug Innovationen zu erhalten.

Viele Nachteile wie die fehlenden Schnittstellen und Gewährleistungsrechte treffen absolut zu. Täglich fallen Messresultate von Patienten an, die noch immer manuell in die Datenbank eingegeben werden müssen, weil die Verbindung von bestimmten Praxisgeräten an die Datenbank fehlt. Die mangelnde Bedienungsfreundlichkeit trifft ebenfalls zu. Zudem können Medikamentenlisten nicht verfolgt oder verändert werden, was ein erheblicher Mehraufwand für die Administration bedeutet. Auch die Diagnoseliste sei zu statisch, wodurch ein Medikationswechsel von Patienten schlecht nachvollziehbar ist.

Die Praxis nutzt alle gängigen Anwendungen. Dazu gehören bspw. die Stammdatenverwaltung der Patienten und die elektronische Krankengeschichte. Wobei bei den EKG der Report von Behandlungen viel zu starr ausfällt. Aktuell müssen Befunde eingescannt und am Schluss diktiert werden. Aufgrund vieler standardisierten Anamnesen, würde es den Prozessfluss optimieren, wenn durch ankreuzen der einzelnen Befunde ein Fliesstext erhältlich wäre. Dadurch würde sich der Wissenstransfer bei der Übermittlung von Patienten zu Spezialisten einfacher und effizienter gestalten.

Die Medikamentenverwaltung wird oft genutzt. Die Medikamentenliste wird aber nicht elektronisch geführt, weil diese mit hohem Zeitaufwand verbunden ist. Hinzu kommt, dass für einzelne Patienten keine Medikationsliste erstellbar ist. Dementsprechend können Medikationsänderungen bei Patienten schlecht nachvollzogen werden. Dokumente für die Dokumentenverwaltung werden alle eingescannt. Berichte für das Krankenhaus werden in Elexis erstellt. Für die Patienten wird eine doppelte Buchführung gemacht. Einerseits eine für die Praxis und andererseits eine für das Krankenhaus. Es sollte jedoch für alle Nutzer ein einheitliches Abrechnungssystem in Elexis geben. Für Berichte via E-Mail wird die Spracherkennungssoftware Dragon Medical genutzt. Beispielsweise werden Berichte durch die Spracherkennung des Diktierprogramms Dragon Medical automatisch erstellt. Durch diese Software konnte in der Praxis eine Effizienzsteigerung festgestellt werden. Für die ambulante Behandlung wird immer die Leistungserfassung und Verrechnung nach Tarmed und EAL angewendet. Beispielweise wäre für die jährlich anfallenden Investitionen für schlafmedizinische Geräte in Höhe von 300'000 Franken, die Materialverwaltung in Elexis zu kompliziert. In der Praxis wird immer die manuelle und elektronische Terminverwaltung verwendet. Wichtige Punkte die in Elexis noch fehlen sind die richtige Einflechtung von Pendenzen in ein Prozedere von Patienten und ein Tool, dass die Veränderung von Diagnoselisten zulässt.


2010 war die Anfangsinvestition etwas unter 30'000 CHF ausgefallen. Wäre Elexis keine OSS gewesen, wären noch das Support-Abo und die Lizenzen für alle Rechner hinzugekommen. Die bisherigen Investitionen für den Unterhalt von Elexis belaufen sich auf rund 90'000 Franken. Diese Gelder flossen vollständig in den Support von Dr. med Sigle. Zumal Dr. med. Hamacher kein Vergleichswert mit einem anderen Praxisverwaltungssystem vorliegt, kann keine Einschätzung von Einsparungen vorgenommen werden. Wichtig aber ist die Beobachtung der entstehenden Kosten durch Elexis. Die Personalkosten verursachen durch die Unvollkommenheit von Elexis die grössten Kosten. Wohingegen die Hardwarebeschaffung eher neutral zu beurteilen ist, da diese auch bei proprietärer Software anfallen würde.

Fazit:

Für die Praxis kommen keine weiteren OSS in Betracht. Gesamthaft wird das Potential von Open Source Software am Markt gesehen. Hingegen im Gesundheitswesen, sollten einheitliche Standards mehr gefördert werden, um Reibungsverluste zu vermeiden. Der Bottom-Up Ansatz spielt dabei eine wichtige Rolle. Dies bedeutet, dass die User besser in den Entwicklungsprozess einbezogen werden sollten. Bei einem besseren Austausch, beziehungsweise dem Vorhandensein einer intakten Community, würden die allgemeinen Vorteile von OSS auch auf Elexis zutreffen. 

 

 


Letzte Aktualisierung: 27.08.2017  -  Anzahl Ansichten seit dem 01. April 2013: 37
Erstellt: 19.08.2017

Eingesetzte OSS Produkte:

Apache OpenOffice (AOO)
Elexis



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