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OSS Nutzer:
Praxis bym Törli

Website:
www.praxisbymtoerli.ch

Beschreibung:

Die Praxis bym Törli ist eine Kinderarztpraxis im Liestal Kanton Basel-Landschaft. Sie beinhaltet zwei Abteilungen, die Kinder/Jugendmedizin und die Psychologie. Das Team umfasst drei Ärzte, drei medizinische Praxisangestellte und eine Fachpsychologin.

Elexis bei der Praxis bym Törli

Branche: Gesundheitssektor, Pharma, Chemie

Die Kinderarztpraxis Praxis bym Törli setzt seit ihrer Neueröffnung im Jahr 2013 die Open Source Software (OSS) Elexis ein. Die nachfolgende Beschreibung befasst sich mit dem Einsatz von Elexis im Detail.

Ausgangslage:

Als 2013 die Praxis neu eröffnet wurde, stellte sich die Frage mit welcher Praxisverwaltungssoftware am besten gearbeitet werden sollte. Es wurden verschiedene Offerten von externen Anbietern eingeholt. Diese reichten jedoch bis zu 150'000 CHF, was für eine Kinderarztpraxis von dieser Grösse zu hoch gewesen wäre. Weil die Ehefrau von Herrn Schmid als Ärztin in der Praxis arbeitet, hat er sich entschlossen den Support für Elexis bei der Neueröffnung zu übernehmen. Schliesslich wurde er über eine Suchmaschine im Internet auf die OSS Elexis fündig und setzte sie als Praxisverwaltungssoftware ein. Grund für diese Wahl waren vor allem die nicht vorhandenen Lizenzkosten und die Nachvollziehbarkeit der Software. Des Weiteren war es die einzige Open Source Lösung, bei der die reine Implementation mit dem Schweizer Abrechnungsmodul Tarmed möglich war. Die Praxis nutzt die eigenoptimierte Variante von Herrn Schmid. Das nötige Know-how für die Programmierung hat er sich selber erlernt.

Herr Schmid stuft alle verschiedenen Arten des Dienstleistungsbedarfs von OSS als wichtig für die Praxis ein.

Umsetzung:

Sowohl die Implementation der Software, als auch die Einarbeitung der Mitarbeitenden verlief reibungslos und mit einem bescheidenen zeitlichen Aufwand. Viel Zeit wurde hingegen für das Datenmanagement aufgewendet, damit Open Office störungsfrei funktioniert. Zu kleineren Reibungsverlusten kam es auch bei der Druckerintegration von Etikettendrucker.

In der Praxis ist ausnahmslos die Open Source Software im Einsatz. Die einzelnen Clients in den Behandlungszimmern sind auf dem Betriebssystem Ubuntu aufgesetzt und für die Textverarbeitung wird Open Office verwendet. Für E-Mails wird SQlab und die Groupware genutzt. Hinzu kommen weitere Anwendungen wie das Health Information Network (HIN) und das Abrechnungsverfahren von Medidata, welche beide vollautomatisiert in Elexis ablaufen.

Die Schulung in der Praxis dauerte lediglich einen Tag. Das Praxisteam besuchte in Basel eine Praxis, welche schon Erfahrung mit Elexis hatte, um Abläufe zu trainieren. Der Rest war ein Training-on-the-job.

In der Praxis werden beinahe alle Funktionen genutzt. Ausgenommen sind die Leistungs- und Medikamentenerfassung mit Barcodescannern, welche nie verwendet werden. Die Medikamentenabgabe an die Patienten, die sogenannte Selbstdispensation, ist kantonal geregelt. Da dies im Kanton Basel-Land erlaubt ist, nutzt die Praxis die Medikationsverwaltung mit integriertem Bestellwesen immer. Digitale Röntgen werden als Bilddatei in der Patientenakte abgelegt. Für die Impfdatenverwaltung werden sogenannte Perzentile verwendet. Durch die Anbindung an das Abrechnungssystem Medidata können unkompliziert Rechnungen, Röntgen etc. an die Beteiligten im Gesundheitswesen verschickt werden. Das Ausdrucken und Versenden von Rechnungen in Papierform entfällt dadurch. Bei ausstehenden Debitoren können Mahnungen automatisch an die Patienten versendet werden, was zu einer deutlichen Produktivitätssteigerung führt.

Sicherheitsupdates und Patches sind in der Praxis voll automatisiert und sehr wichtig. Bei der Gewährleistungsübernahme muss dafür gesorgt werden, dass den Nutzern Ansprechpersonen zur Verfügung stehen, die bei der Wartung und dem Support helfen. Am wichtigsten sind die Weiterentwicklung und die Dokumentation der Software. Es gibt viele Ärzte, welche sich an der Weiterentwicklung von OSS finanziell beteiligen würden, sofern die Plug-Ins für die Öffentlichkeit verfügbar sind. Herr Schmid hat sich auch schon an der Weiterentwicklung von Elexis beteiligt. Der gesamte Zeitaufwand liegt bis jetzt bei 80 Stunden, wobei 10-20 Stunden in die Community flossen.

Zielerreichung:

Die allgemein in der Literatur genannten Vorteile von OSS wurden bezüglich Elexis mehrheitlich bestätigt. Sowohl die Kosteneinsparungen als auch die Reduktion der Abhängigkeit der Softwarehersteller sind absolut zutreffend. Bezüglich der IT-Security kann Elexis durch den Einblick in den Quelltext eine erhöhte Sicherheit zugesprochen werden. Die Qualität der Antworten auf Fragen in der Community ist einem professionellen Support äquivalent. Auch die Transparenz und die Anpassbarkeit an die eigenen Bedürfnisse in Elexis werden vollkommen bestätigt. Es wurden schon ein paar Modifikationen erstellt, um den Bedürfnissen der Praxisangestellten gerecht zu werden.

Es gibt aber auch Vorteile, welche nicht bestätigt werden können. Hierzu zählen unter anderem die offenen Standards und die innovationsfördernde Wirkung von Elexis. Das Problem des Offenen Standards liegt beim Staat. Häufig liegen nur halböffentliche Standards vor, was die Interaktion erschwert. Gerade für den Gesundheitssektor wären einheitliche offene Standards wichtig, um den Datenaustausch zu optimieren. Die Aufgabe des Staates besteht darin, einheitliche offene Standards mehr zu fördern. Auch die Community von Elexis ist viel zu klein, als dass sich eine innovationsfördernde Wirkung daraus resultieren könnte.

Von den allgemeinen OSS-Nachteilen trafen bezüglich Elexis wenige zu. Ein Hauptproblem ist die unsichere Weiterentwicklung der Software. Wenn der Hauptdienstleister Medelexis betrachtet wird, könnte dieser theoretisch von heute auf morgen den Support einstellen und aus Open Source Closed Source machen. Die weiteren Nachteile konnten nicht bestätigt werden. Darunter auch der hohe Schulungsaufwand nicht, da die Schulung lediglich ein Tag gedauert hatte.

Die Kosten für den Unterhalt von Elexis belaufen sich jährlich auf rund 4'000 CHF. Weil zuvor kein anderes PVS genutzt wurde, konnte keine genaue Einschätzung der Einsparungen gemacht werden. Andererseits sind die Einsparpotenziale durch den Wegfall der Lizenzkosten, mit mehr als 30% sehr hoch. Infolge dessen, weil kein externer Anbieter für den Support und die Wartung hinzugezogen wird, sind auch dort die Einsparungen mehr als 30%. Die Kosten der Hardwarebeschaffung sind mittel, da Elexis problemlos auf älterer Hardware aufgesetzt werden kann.

Schlussendlich liegt in OSS ein enormes, noch nicht ausgeschöpftes Potential vor. Erstaunlich ist, dass sich proprietäre Softwares in KMU’s noch halten können, weil in diesen Umgebungen viele Standardisierungen vorliegen. Viele proprietäre Softwares liessen sich durch OSS substituieren, wodurch hohe Einsparungen in der IT erzielt werden könnten. Gerade im Gesundheitsmarkt der Schweiz, welcher hoch reguliert ist und keine Substitutionsgüter zulässt, wären Open Source Lösungen sehr wichtig. Das Hauptproblem liegt beim Staat, der dafür sorgen sollte, dass ein Wettbewerb vorhanden ist. Damit auch die Open Source Community wachsen kann, sollten öffentlich zugängliche und implementierbare Standards gefördert werden.

Fazit:

Zusammenfassend überwiegen die Vorteile von OSS in der Praxis bym Törli. Festzuhalten ist, dass OSS ständig gepflegt werden muss. Denn es ist keine Software die vom Regal massgeschneidert gekauft wird.


Letzte Aktualisierung: 11.10.2017  -  Anzahl Ansichten seit dem 01. April 2013: 81
Erstellt: 19.08.2017

Eingesetzte OSS Produkte:

Apache OpenOffice (AOO)
Elexis
Ubuntu Linux



Über OSS Referenzen

OSS Referenzen zeigen auf, bei welchen OSS Nutzern (Unternehmen und öffentlichen Institutionen) welche Open Source Lösungen eingesetzt werden. Ziel ist es, die Vielzahl von Einsatzgebieten von Open Source Software darzustellen. Deshalb ist es erwünscht, dass möglichst viele OSS Referenzen erfasst werden um die breite Verwendung der jeweiligen OSS Produkten aufzuzeigen.

Erfassen einer neuen OSS Referenz

Zur Erfassung einer OSS Referenz, muss zuerst die Registrierung als OSS Firma oder OSS Nutzer erfolgen. Neue OSS Referenzen können unter "Erfassung von OSS Referenzen" sowohl von den verantwortlichen OSS Firmen als auch von OSS Nutzer, welche über die OSS Referenz Bescheid wissen, erstellt werden. Ein registrierter User, welcher als OSS Firma oder OSS Nutzer eingeloggt ist, erhält das Recht, den Eintrag zu einem späteren Zeitpunkt wieder zu editieren. 

Damit auf den ersten Blick klar ist, welches OSS Produkt hauptsächlich eingesetzt wurde, sollte der Titel einer Referenz stets im folgenden Format verfasst sein:"[Open Source Produkt] für [Kunde]" 

Die Beschreibung beinhaltet die Problemstellung, die Herausforderung, die Zielsetzung, die Vorgehensweise und das Resultat des Projektes. Die Angaben sollten möglichst mit konkreten Mengen- und Grössenordnungen erfasst werden.

 

Eine bestehende OSS Referenz bearbeiten

Wenn die bestehende OSS Referenz durch die eingeloggte OSS Firma oder den eingeloggten OSS Nutzer erstellt wurde, kann die Referenz unter "Eintrag bearbeiten" angepasst werden. 

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